Bergführer Hans Gapp
 

Die Geschichte der Adamekhütte ist gleichzeitig die Geschichte der touristischen Erschließung des Dachsteingebietes.

Der Dachstein war immer schon ein Objekt mit unglaublicher Anziehungskraft auf Menschen mit Bergsteigerblut in den Adern. Als Peter Gappmaier  1832 zum ersten Mal auf seinem Gipfel stand, war das Besteigen der Berge noch keineswegs salonfähig, vielmehr herrschte großer Respekt vor den unwirtlichen Gebirgsregionen. Durch Touristen, die Mitte des vorigen Jahrhunderts durch das Verlangen nach geeigneten einheimischen Führern Geld in die entlegenen Bergdörfer brachten, erwachte der Gedanke, die Berge auch als Wirtschaftsfaktor zu nutzen.

Bau der Adamekhuette 1906Die parallel sich entwickelnde Aufklärung der Bevölkerung über die bis dahin kaum bekannten Regionen durch alpine Vereine wie dem Alpenverein und durch einzelne Forscher wie Prof. Friedrich Simony (1813 - 1896) im Dachsteingebiet ebnete dieser Entwicklung die Wege.
Der erste Unterstand auf der gosauer Seite des Dachsteins war die Grobgesteinhütte. Die mittlerweile verfallene primitive Hütte wurde in einem Blockfeld auf 1638 m in den Jahren 1878 - 1879 nahe der einzigen ständig fließenden Quelle am Weg zum Dachstein erbaut. Die Projektierung erfolgte durch Dr. Barth und Prof. Simony, noch bevor ein richtiger Weg zum Gletscher (der damals noch bis zum Hohen Riedl reichte) gebahnt war. Es gab damals nur einen Anstieg bis auf die Höhe des Gschlößlkogels, die Regionen am Gletscher erscheinen noch zu gefährlich.
Es handelte sich bei der Hütte um einen Unterstand für 10 Personen, primitiv eingerichtet und ohne Komfort.

1885 wurde die Hütte genaralsaniert - sie wurde innen mit einer Holzvertäfelung versehen, um dem Durchzug Einhalt zu gebieten, das Dach wurde neu gedeckt, die Fugen verkittet.

Aufstieg Adamekhuette 21888 wurde der Weg zur Hütte renoviert und auch gleich bis zum Gletscher weitergezogen, da das Interesse an hochalpinen Unternehmungen immer mehr stieg. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts boomte der Tourismus immer mehr. Es wurde der Ruf nach immer besser ausgestatteten Bergsteigerunterkünften laut. Im Dachsteingebiet wurde diesem Verlangen 1904 durch einen kühnen Plan Rechnung getragen: durch die Sektion Austria des ÖAV wurde eine Hütte mit damals hohem Komfort am "Brotstein" (hier wurde bei Dachsteinbesteigungen regelmäßig gerastet) auf 2196 m geplant die Adamekhütte!

Bevor mit dem Bau der Hütte begonnen werden konnte, mußte ein auch von Nicht-Bergsteigern begehbarer Weg geschaffen werden. Damals waren die Italiener führend im Wegebau, deshalb wurde aus diesem Teil der Monarchie ein solcher Handwerker Namens Rossi geholt. Er legte im Laufe von 2 Jahren den Weg in der auch heute noch bestehenden Form an, mit kunstvollen Steinmauern und einer Neigung von nicht mehr als 10% . Bei der Schwierigkeit des Geländes eine Meisterleistung!
Während der Bauzeit hauste dieser Italiener mit Frau und Kindern entlang des Weges in selbstgebauten Hütten aus Stein, deren Überreste auch heute noch erkennbar sind.
Nachdem der Weg als Voraussetzung fertiggestellt war, wurde 1906 mit dem Bau der Adamekhütte begonnen.

Gebaut wurde sie hauptsächlich von damals billigen Arbeitern aus dem italienischen Trentino, Gosauer waren nur in geringer Anzahl, und da hauptsächlich für höher qualifizierte Aufgaben eingesetzt.
Der Bau der Hütte war ein schwieriges Unterfangen, zumal damals der Gletscher noch in unmittelbarer Nähe der Hütte war ("einen Steinwurf entfernt"), und das Klima entsprechend rauher war.    
Und natürlich gab es auch noch keine Maschinen, die die Arbeit dort oben wesentlich erleichtert hätten. Die Muskelkraft der Männer war das einzige Hilfsmittel. Bereits nach einer Saison Bauzeit wurde die Hütte "dicht" gemacht, d.h. Fenster und Türen eingesetzt, und bereits im Jahr 1907, nach zwei Jahren Bauzeit, wurde der neue Alpinstützpunkt dem Verkehr übergeben.

Bildrechte: Archiv Gretl Urstöger